Gespräche mit Thomas A. Weber, Director Division of Materials Research ( http://www.nsf.gov/mps/dmr/start.htm); Lynette D. Madsen, Program Director Ceramics Program; Bruce A. MacDonald, Program Director Metals Program:
Die National Science Foundation (NSF) ist für die finanzielle Förderung von Kooperationen zwischen F&E Einrichtungen in Österreich und den USA relevant (für eine allgemein Übersicht über die Aufgabe von NSF vgl. http://www.nsf.gov/home/about). NSF bevorzugt es zur Zeit, keine bilateralen Rahmenübereinkommen abzuschließen, da der damit verbundene Aufwand besser direkt in die Vermittlung konkreter Forschungskooperationen investiert werden sollte.
Teilnahme der US an den EU Rahmenprogrammen: Das Interesse der amerikanischen Forscher an einer Teilnahme am Rahmenprogramm Forschung ist im Steigen begriffen. NSF unterstützt dies unter anderem mit einem regelmäßigen Rundschreiben, das auf diese Möglichkeit hinweist (vgl. z.B. Schreiben v. Juni 2000 - http://www.nsf.gov/cgi-bin/getpub?nsf0018). Probleme gibt es zur Zeit noch mit der Koordination und den unterschiedlichen bürokratischen Kulturen. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu beachten, dass NSF üblicherweise bereits zur Jahresmitte über keine Budgetmittel mehr verfügt. Die in diesem Zusammenhang vergebenen grants liegen zwischen 80.000 und 100.000 USD p.a.
Für eine Förderung von bilateralen Kooperationen (z.B. USA Österreich) aus NSF Mitteln ist es nicht störend, wenn die Forschungsarbeiten der amerikanischen Partner in der ein oder anderen Form österreichischen Unternehmen zugute kommen, d.h. auf österreichischer Seite kann auch ein Unternehmen als Forschungspartner auftreten. Der NSF selbst kann nur ausnahmsweise direkte grants an Unternehmen vergeben, z.B. im Rahmen des Small Business Innovation Research Programms (http://www.eng.nsf.gov/sbir/). NSF fördert insgesamt 25 NSF Materials Research Science and Engineering Centers (http://www.nsf.gov/mps/dmr/mrsec.htm). Bei einigen sind auch Unternehmen beteiligt (z.B. IBM in Stanford - http://www.stanford.edu/group/CPIMA/). Ein erwähnenswerter Punkt in diesem Zusammenhang: Empfänger der grants sind die Universitäten und die Projektleiter, d.h. die Centers sind durch Abgänge von Professoren nicht gefährdet.
Diese und andere Zentren stellen einen guten Ansatzpunkt für internationale Kooperationen dar. NSF hält die Zusammenarbeit zwischen Forschungszentren für langfristig fruchtbarer als bloß auf der Zusammenarbeit von Einzelpersonen gründenden Kooperationen, da die Mobilität der betroffenen Forscher in der Regel höher ist, wenn sie durch ein Forschungszentrum unterstützt werden.
Die von NSF geförderten Zentren erhalten jährlich 1-4,5 Mio USD. Eine für österreichische Forscher interessante Möglichkeit: Individuen können jederzeit einen Antrag stellen, an einem dieser Zentren mitzuarbeiten.
Unsere Gesprächspartner bei NSF betonten, dass die USA und Europa derzeit im Bereich der Nanotechnologie noch gleichauf liegen. Dies kann sich allerdings durch die National Nanotechnology Initiative (http://www.nano.gov) drastisch ändern.
Die Programmdirektoren am NSF haben einen sehr weiten Ermessensspielraum bei der Entscheidung über die Genehmigung von Proposals. Bisweilen erhöhen angestrebte internationale Kooperationen die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entscheidung. Dies und der Umstand, dass der Division Director über ca. 5% des Budgets der Abteilung verfügen kann, sollten beim Bestreben, bilaterale, durch NSF geförderte Kooperationen zu starten, bedacht werden und entsprechend gute Kontakte zu jenen Programmdirektoren gepflegt werden, die in für Österreichs F&E relevanten Bereichen tätig sind.
Das Internationale Programm von NSF ist für Österreich insofern relevant, als hier die Möglichkeit besteht, relativ unbürokratisch travel grants für amerikanische Forscher zu bekommen, die der Anbahnung von Kooperationen dienen.
Seibersdorf wird über die amerikanische Niederlassung gezielt versuchen, die erwähnten Förderungsmöglichkeiten über die NSF optimal zu nützen. Dabei ist die Kooperation mit der Penn State University ein besonderer Vorteil, da für größere Förderungen nur US Universitäten antragsberechtigt sind.
Bei allen Gesprächspartnern handelte es sich um Mitglieder der Metallurgical Division von NIST http://www.metallurgy.nist.gov.
Das 1901 gegründete NIST soll als Forschungslabor des US Department of Commerce zur Stärkung der amerikanischen Wirtschaft gemeinsam mit der Industrie neue Technologien, insbesondere aber Normen und Standards entwickeln (im Detail vgl. http://www.nist.gov/public_affairs/nandyou.htm). Der Aufgabenbereich von NIST ist in Wirklichkeit sehr breit gestreut, so verwaltet das NIST auch das mit dem Kplus Programm vergleichbare Advanced Technology Program (ATP - http://www.atp.nist.gov). Die zwei wichtigsten Niederlassungen von NIST befinden sich in Gaithersburg (Maryland) und Boulder (Colorado).
In der Materials Research Division arbeitet ein Staff von 280 permanenten Forschern und 400 Gastforschern. Für internationale Kooperationen eignet sich das NIST nur bedingt. Am sinnvollsten scheint diesbezüglich der Austausch einzelner Forscher und deren Aufenthalt (2-3 Jahre) am NIST. Institutionelle, internationale Kooperationen sind die Ausnahme. ARCS wird sich bemühen, einen breiteren Austausch zu initiieren.
Anfang Oktober wurde in Cambridge (bei Boston) das sogenannte "Swiss House" eröffnet. Es handelt sich dabei um ein ausschließlich wissenschaftlich-technologischen Agenden gewidmetes Konsulat der Schweiz, dessen Mission die aktive Vernetzung von Forschung, Wirtschaft und Ausbildung ist. Insbesondere geht es dabei auch darum, jungen ForscherInnen aus der Schweiz bei der Aufrechterhaltung der Kontakte zum Heimatland behilflich zu sein, aber auch bei der Erstellung neuer Kontakte in den USA.
Ich habe anlässlich eines Aufenthaltes in Boston am 15.9.2000 ein ausführliches Gespräch mit Paul Smykes, dem Konsulenten und engsten Mitarbeiter des Leiters des Swiss House, Xavier Comtesse, geführt und bei diesem Anlass auch das Swiss House besucht. Mit Paul Smykes hat das Swiss House einen Mitarbeiter, der als ehemaliges Mitglied des executive board des World Economic Forum in Davos über exzellente, internationale Kontakte verfügt. Diese Kontakte sind vor allem bei der Vernetzung von und mit Wissenschaftern ein wesentliches asset.
Ein Grund für die Schaffung des Swiss House war die Einsicht, dass alternative und originelle Methoden gefunden werden müssen, um den brain drain aus der Schweiz in die USA in den Griff zu bekommen. Smykes geht davon aus, dass es alleine im Raum Cambridge ca. 500 PhDs aus der Schweiz gibt, von denen nur wenige in die Schweiz zurückkehren werden. Mit dem Swiss House soll es gelingen, dieses Potential zu nutzen und einen aktiven Dialog zu starten. Das auf halber Strecke zwischen MIT und Harvard gelegene Gebäude wird im Rahmen eines Public Private Partnership Modells finanziert. Während die Errichtungs- bzw. Umbaukosten zur Gänze von der Schweizer Privatbank Lombard & Odier übernommen werden, werden die laufenden Betriebskosten von der öffentlichen Hand getragen. Als zukünftige Ansprechpartner sieht das Swiss House sowohl academia als auch den privaten Sektor (Industrie). (Für mehr Information über das Swiss House vgl. http://www.creativeswitzerland.com/)
Bei allem Enthusiasmus für dieses Projekt muss jedoch festgehalten werden, dass es auch Risiken birgt, da nicht geklärt ist, ob die Schaffung von Infrastruktur in der Form der Errichtung eines Gebäudes jedenfalls die beabsichtigte Wirkung eines leverage effects für die existierenden Netzwerke zeitigen wird. Insbesondere hat es keine Testphase gegeben, um herauszufinden, ob sich der Zuspruch der schweizerischen community in der Gegend auch in aktive Mitarbeit übersetzen lässt.
Ungeachtet der Risiken stehen die Chancen der Schweiz, mit diesem unkonventionellen Ansatz den für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz nachteiligen brain drain abzuschwächen, durchaus gut.
Insbesondere zeigt sich, dass die Schweiz einen international entstehenden Trend vorwegnimmt, der der sogenannten Science Diplomacy in der Außenpolitik der Nationalstaaten einen hohen Stellenwert zuspricht. Dieser Trend ist auch in den USA nicht unbeachtet geblieben. Im Frühsommer dieses Jahres wurde von US Außenministerin Madeleine Albright unter dem Stichwort "Science & Diplomacy" eine Initiative gestartet, dessen wesentliches Ziel es ist, Forschungs- und Technologiethemen verstärkt in den außenpolitischen Prozess der US Regierung zu integrieren. Detailinformationen dazu finden Sie unter folgenden Adressen:
Der internationale Trend hin zu einer professionellen Science Diplomacy und das unkonventionelle Beispiel des Swiss House zeigen, dass der Aufbau eines österreichischen Office of Science & Technology an der ÖB Washington wie in dem von mir kürzlich vorgelegten Strategiepapier skizziert - nicht nur einen tatsächlich existierenden Bedarf befriedigt, sondern unverzichtbar ist, wenn man den Wissenschafts- und Technologiestandort Österreich auch in Zukunft gesichert wissen will. Die von diesem Office of Science & Technology anzubietenden Dienstleistungen sind geeignet, auf graduellere Weise als dies die Schweiz tut - und daher auch mit erheblich weniger Risiko - einen signifikanten Beitrag zur Dynamisierung und Fokussierung der wissenschaftlich-technologischen Aktivitäten zwischen Österreich und den USA zu leisten.
Eine aus der Beschäftigung mit dem "Swiss House" Projekt gewonnene Erkenntnis ist, dass eine erfolgreiche Wissenschaftsaußenpolitik eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erfordert. Damit aber der Bereich der Wissenschaftsaußenpolitik für die Wirtschaft attraktiv genug wird, um eine entsprechende Investition zu tätigen wie die Schweizer Privatbank im Fall des "Swiss House" - , müssen entsprechende Grundstrukturen im öffentlichen Bereich geschaffen werden. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Schweiz an drei Standorten in den USA (Washington, San Francisco, Boston) mit Büros für ihre Science Diplomats vertreten ist.