Neues aus der US-amerikanischen FTE-Politik Bericht des OST in Washington, 27.07.2001
Unterausschuss des Senats beschließt umfassendes Verbot menschlichen Klonens
Das Subcommittee on Health des "Committee on Energy and Commerce" des US-Repräsentantenhauses hat einem Gesetzesentwurf zugestimmt, der ein allgemeines Verbot des Klonens von Menschen normieren würde. Entgegen den in manchen österreichischen Medien kolportierten Meldungen, wonach es sich um einen Beschluss des - wesentlich wichtigeren - Justizausschusses handle, kommt dem gegenwärtigen Beschluss dieses Unterausschusses vorläufig noch keine allzu große Bedeutung zu.
Dies liegt zum einem daran, dass der Gesetzesentwurf noch eine Vielzahl von Stufen im legislativen Prozess durchlaufen muss, bevor tatsächlich von einem Verbot des Klonens von Menschen gesprochen werden kann. Zum anderen liegt dies aber daran, dass es einen konkurrierenden Gesetzesentwurf gibt, der sich wesentlich von dem nunmehr weitergeleiteten Entwurf unterscheidet. Die Unterschiede haben weitreichende Konsequenzen für die gesamte Stammzellendebatte.

Der vom Subcommittee on Health abgesegnete Entwurf, auch bekannt als "Weldon Bill" oder "Human Cloning Prohibition Act of 2001", verbietet das Klonen von Menschen ohne jegliche Ausnahme. Der alternative Gesetzesentwurf, die sogenannte "Greenwood Bill", trägt die verwirrend ähnliche Bezeichnung "Cloning Prohibition Act of 2001". Die "Greenwood Bill" wird von der Mehrheit der Demokraten und zahlreichen Protagonisten der Medizinforschung, aber auch der "Biotechnology Industry Group", unterstützt, da diese Gesetzesvariante das Klonen für Forschungszwecke zulassen und lediglich das Klonen zum Zweck der Fortpflanzung verbieten würde.
Im Hinblick auf die zahlreichen republikanischen Abgeordneten, die sich für die öffentliche Förderung der Stammzellenforschung aussprechen, erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die restriktive "Weldon Bill" vom Kongress verabschiedet wird.
Weitere Informationen über die beiden Gesetzesentwürfe finden Sie unter http://thomas.loc.gov.
Der Human "Cloning Prohibition Act of 2001" hat die Nummer H.R. 1644, der "Cloning Prohibition Act of 2001" die Nummer H.R. 2172.

Hinter der vom Kongress verabschiedeten Erhöhung des Budgets der National Science Foundation (NSF) verbergen sich von der NSF nicht beantragte Sonderprojekte
Der Budgetausschuss des Senats (U.S. Senate Committee on Appropriations) ist diese Woche der Beschlussfassung des u. a. für die National Science Foundation (NSF) zuständigen Unterausschusses (Subcommittee on Veterans, Housing and Urban Development) über eine Erhöhung des NSF Budgets gefolgt. Mit einer Allokation von US $ 4,7 Mrd. spricht sich der Senatsausschuss für eine 5,8%ige Steigerung im Vergleich zum diesjährigen Budget aus. Der Beschluss des Senats übersteigt damit zwar die im Budgetentwurf des Präsidenten enthaltene Zahl von US $ 4,5 Mrd., liegt aber unter der vom Abgeordnetenhaus vorgesehenen Steigerung von 8,5%. Nach Abzug des Budgets für Overhead-Kosten und für die von George W. Bush an die NSF übertragenen Programme im Rahmen seiner Bildungsinitiative würde nach Senatsbeschluss das reine F&E Budget US$ 3,4 Mrd. betragen, was einer Erhöhung von 4% entspricht.

Bemerkenswert ist, dass der Beschluss des Budgetausschusses innerhalb des NSF-Programms zu einer signifikanten Erhöhung der Budgetmittel für die "Networking and Information Technology R&D Initiative" (langfristige Grundlagenforschung im IT-Bereich) und die "Nanoscale Science and Engineering Initiative" führen wird.
Obwohl damit die Zahlen besser ausfallen als im Budgetvorschlag des amerikanischen Präsidenten, wurden die Erwartungen der Unterstützer der NSF bei weitem nicht erfüllt. Zum einen besteht nach wie vor eine große Diskrepanz zwischen den aktuellen Zahlen und dem auch von einigen Mitgliedern des Budgetausschusses unterstützten Vorhaben, das NSF Budget innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln.
Andererseits ist das Budget der National Science Foundation diesmal - in Abkehr von einer langjährigen Tradition - auch ein Opfer des sogenannten "Earmarking" bzw. "Pork Barreling" geworden. Etliche Großforschungsprojekte, die im ursprünglichen Budgetantrag der NSF gar nicht enthalten waren, die aber in für einzelne Kongressabgeordnete politisch wichtigen Regionen realisiert werden, werden beträchtliche Budgetmittel erhalten, und zwar auf Kosten anderer Projekte. In einem Artikel in der aktuellen Ausgabe von "Science" wird dieser Umstand zu Recht beklagt, da damit forschungs- und technologiepolitisch ausgewogene Entscheidungsfindungsprozesse innerhalb der National Science Foundation ad absurdum geführt werden.

Mit den Entscheidungen in den jeweiligen Budgetausschüssen der beiden Kammern des Senats sind damit die Weichen für das Budget der National Science Foundation für 2002 gestellt. Nach den entsprechenden Plenardebatten wird in einem gesondertem Verfahren im Rahmen des "House-Senate Conference Committee" ein Kompromiss auszuhandeln sein.
Andere in diesem Zusammenhang interessante Links:

Pläne für einen neuen Hochleistungs-Teilchenbeschleuniger konkretisieren sich
Vor einigen Wochen wurde an dieser Stelle bereits über Pläne zum Bau eines neuen extrem leistungsstarken Teilchenbeschleunigers berichtet. Am Ende eines dreiwöchigen Treffens von Physikern zur "Zukunft der Teilchenphysik" in Snowmass, Colorado, scheint Einigkeit über das bevorzugte Design ("linear collider") zu herrschen. Unter den nunmehr diskutierten Standorten finden sich Batavia (Illinois; in der Nähe des Fermi-Labors) und Hamburg. Eine Empfehlung zur Haltung der USA durch das zuständige Beratungsorgan des U.S. Department of Energy wird für den Herbst erwartet. Um die heiße Standortdebatte zu entschärfen wird die Schaffung von Kontroll- und Zugangseinrichtungen in verschiedenen Ländern diskutiert.

Johns Hopkins Universität darf "Clinical Trials" an Menschen in eingeschränktem Umfang weiterführen
Wie letzte Woche berichtet, hatte das U.S. Office for Human Research Protection (OHRP) die Einstellung sämtlicher mit öffentlichen Mitteln geförderter, an Menschen durchgeführter Forschungen an zahlreichen Einrichtungen der Johns Hopkins University verfügt. Das OHRP hat zwar inzwischen den allgemeinen Stopp der "clinical trials" aufgehoben, dennoch wird es noch eine Weile dauern, bis die Mehrzahl der ca. 2500 laufenden Untersuchungen fortgesetzt werden kann. Dies liegt daran, dass sich bis auf jene klinischen Versuche, die ein minimales Risiko für Patienten darstellen oder schwerst kranke Patienten betreffen, alle laufenden "clinical trials" zusätzlichen Evaluierungen unterziehen müssen.

Obwohl behauptet wird, es sei dem OHRP und der Johns Hopkins University in nur drei Tagen gelungen, wesentliche Defizite bei der Gewährleistung der entsprechenden Sicherheit von in klinische Versuche involvierten Patienten zu beseitigen, ist die rasche Aufhebung der strengen Verfügung des OHRP wohl auch auf die von der Johns Hopkins University rasch mobilisierte politische Unterstützung im Kongress zurückzuführen.
Inzwischen hat der Vorfall allerdings dafür gesorgt, dass dem Problem der mangelnden Aufklärungs- und Schutzmaßnahmen für Patienten bei klinischen Untersuchungen generell mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Man darf eine breitere Debatte zwischen den Befürwortern und Gegnern einer strengen staatlichen Kontrolle der "clinical trials" an Menschen erwarten.

Reaktionen zur Studie des National Council for Research on Women (NCRW) über Frauen in der Forschung
Wie vergangene Woche berichtet, hat der National Council for Research on Women (NCRW) einen Bericht über wissenschaftliche Karrieren von Frauen und Frauen in der Forschung veröffentlicht. Unter den vielen Reaktionen zu diesem Bericht sei auf einen kürzlich im Boston Globe erschienen Kommentar aufmerksam gemacht, der die Studie in den breiteren Kontext des Mangels an hochqualifizierten naturwissenschaftlichen Nachwuchsforschern in den USA stellt.