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Letter from the Editor
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Im Editorial zu Inform@ionen vom Dezember des Vorjahres habe ich den Versuch unternommen, zu beschreiben, welche Erwartungshaltungen das OST gegenüber dem sich entwickelnden Netzwerk österreichischer ForscherInnen und WissenschafterInnen in Nordamerika hegt. Dabei bin ich auf einen Punkt, der in Gesprächen mit betroffenen Personen immer wieder auftaucht, bewusst nicht eingegangen: es handelt sich um die Frage, ob das OST nicht eine hidden agenda habe, nämlich die Rückführung möglichst vieler österreichischer WissenschafterInnen nach Österreich.
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Da wir im OST immer wieder mit dieser Frage konfrontiert werden, möchte ich es nicht bei einem einfachen Nein belassen, sondern erklären, warum es zwar in vielen Fällen wünschenswert ist, dass wissenschaftliches Talent nach Österreich zurückkehrt, es aber dennoch nicht zu den Zielen des OST zählt, hierzulande tätige ForscherInnen davon zu überzeugen, dass sie doch lieber in Österreich forschen sollten
Eine Umkehr des Brain drain aus Österreich bzw. Europa in Richtung USA ist ein Ziel, zu dessen Verwirklichung das OST nur bedingt etwas beitragen kann.
Es gibt gute Gründe, weshalb es wissenschaftliches Nachwuchstalent aus der ganzen Welt in Richtung USA zieht. Öfters als die behauptete Inadäquanz der Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung in den Ursprungsländern sind es die unheimlich attraktiven Rahmenbedingungen in den USA, deren kombinierte (d.h. die militärische Forschung inkludierende) FTE Ausgaben die anderer Industrienationen nach wie vor bei weitem übertreffen. An den Ursachen, die in den Bedingungen in den USA bzw. Österreich begründet liegen, kann das OST wenig ändern.
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Das OST kann über die Schiene der Politikberatung bedingt Einfluss auf die Entwicklung der österreichischen Forschungslandschaft nehmen. Dabei hat das ForscherInnennetzwerk einen besonders hohen Stellenwert. Beiträge wie jener von Michael Schlossmacher in der vorliegenden Ausgabe von Inform@ionen sind ein exzellentes Beispiel, denn diese und ähnliche Berichte österreichischer ForscherInnen in Nordamerika werden wir in Zukunft im OST Newsletter Voices on U.S. Science & Technology Policy veröffentlichen. Dieser von nun an viermal im Jahr erscheinende Newsletter erreicht immerhin rund 1000 Protagonisten der österreichischen und europäischen Forschungs- und forschungspolitischen Szene.
Aber es geht auch darum, Besucher aus Österreich in unmittelbaren Kontakt mit hier forschenden österreichischen WissenschafterInnen zu bringen. Ein Beispiel dafür ist eine für April geplante Studienreise österreichischer Wissenschaftsjournalisten nach Washington DC. Das OST betreut die JournalistInnen, die sich vor allem für die Rahmenbedingungen von Forschungs- und Technologiepolitik in den USA und Forschung an amerikanischen Universitäten interessieren, und plant eine Reihe von Zusammentreffen mit österreichischen ForscherInnen in Washington und Boston. Dabei ist es uns ein besonderes Anliegen, NachwuchsforscherInnen zu Wort kommen zu lassen, da sie meist über besonders hohe Sensibilität hinsichtlich der Rahmenbedingungen für Forschung dies- und jenseits des Atlantiks haben. Die beschriebenen Informationswege ermöglichen den Transfer von innovativen Reformvorschlägen aus dieser community österreichischer ForscherInnen in Nordamerika nach Österreich.
Das OST betreibt gegenüber den im Rahmen des ForscherInnennetzwerkes angesprochenen Personen kein marketing Österreichs als Forschungsstandort, sondern bemüht sich, ein realistisches Bild der Möglichkeiten und Neuerungen in Österreich zu vermitteln. Denn eines hat die Erfahrung der Vergangenheit gezeigt: die Dinge ändern sich und oft ist das Bild von Österreich, das man hierzulande noch in sich trägt, nicht mehr ganz aktuell, und die Änderungen und Neuerungen sind unter Umständen für den einen oder die andere mit persönliche Chancen verbunden. Ein hervorragendes Beispiel für eine solche viel versprechende Neuerung in der Bundeshauptstadt Wien ist der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTTF), über den Michael Stampfer und Gerald Murauer in einem der beiden Feature Beiträge berichten.
Die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Österreichs als Forschungsstandort bedarf weniger einer Strategie zur Umkehr des brain drain als vielmehr einer umfassenden Strategie zum brain gain.
Das OST hat in der von Jutta Kern anläßlich der ASCINA Konferenz erstellten sozialwissenschaftlichen Studie Chancen und Potenziale des ASciNA Netzwerkes für die österreichische Wirtschaft aufgezeigt, dass im Mittelpunkt des strategischen Interesses Österreichs das Konzept des brain gain stehen muss. Dieser Ansatz ist wesentlich umfassender als ein Fokus auf die bloße Umkehr von brain drain, da er eine zentrale Herausforderung der Zukunft bereits mitbedenkt: wie kann es Europa immerhin wird Österreichs Zukunft untrennbar mit jener des vereinten Europas verbunden sein - gelingen, die notwendigen Humanressourcen in Wissenschaft, Forschung und Technologie in Europa zu versammeln. Denn eines ist jetzt bereits klar, eine bloße Rückführung von in den USA weilenden europäischen ForscherInnen wird nicht ausreichend sein.
Das Konzept des brain gain fußt auf mehreren Annahmen:
- (1) Die inhärente Internationalität von Forschung und Wissenschaft ist langfristig inkompatibel mit dem Ansinnen, alle Schäfchen heimzuführen und in Österreich ein isoliertes Paradies der Forschung zu schaffen.
- (2) Österreich ist dann als Forschungsstandort international wettbewerbsfähig, wenn es auch internationales Talent anzieht. Die Aufforderung an Forschungstalent, in oder für Österreich zu forschen, muss eine umfassende sein und darf sich letztlich nicht auf österreichische StaatsbürgerInnen beschränken.
- (3) Selbst, wenn wir die F&E Quote in Österreich auf die mittlerweile legendenumrankten 2.5% des BIP steigern, wird es dennoch nicht centers of excellence in allen relevanten Disziplinen geben. D.h. österreichische Forschung und die Förderung derselben muss sich wesentlich breiter definieren, also ganz bewusst auch die Förderung und Unterstützung jener inkludieren, die mangels entsprechender Möglichkeiten - nie in Österreich forschen werden.
- (4) Erfolgreiche Wissenschaft und Forschung lebt vom Wissenstransfer und nationale und geographische Grenzen werden hierfür immer unbedeutender.
- (5) Die politische Ebene macht brain gain zur offiziellen Strategie. Die Anzeichen hierfür sind positiv. Nicht zuletzt ist der Ausbau des OST, das als Modell für ähnliche Einrichtungen in anderen Ländern gesehen wird, ein Beispiel dafür, dass der Strategie des brain gain in Österreich immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird.
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P. Steger
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