Inform@ionen für die
österreichische Forschung
in Nordamerika
Newsletter Dez 2002/ Jan 2003
Letter from the Editor

Die Vernetzung der in den USA und Kanada lebenden österreichischen ForscherInnen bringt viele Vorteile. Einer davon ist, dass über die Kommunikation zwischen dem OST und den betroffenen ForscherInnen sich sukzessive ein Bewußtsein darüber entwickelt, wo im Zuge eines Forschungsaufenthaltes typischerweise Probleme auftreten, die zwar üblicherweise von den betroffenen Personen ad hoc gelöst werden, für die es aber sinnvollerweise globale Lösungen geben sollte.
Die Tatsache, dass mittlerweile etwa vierhundert Personen in Nordamerika in dieses Netzwerk eingebunden sind und dass viele Rückmeldungen von ForscherInnen an uns kommen, hat den verantwortlichen Personen in Österreich in aller Klarheit gezeigt, dass es hierzulande tatsächlich eine Gruppe gibt, für die bestimmte Dienstleistungen erbracht werden müssen. Der Umstand, dass das OST als gemeinsame Initiative verschiedener österreichischer Ministerien konzipiert ist und von den betroffenen Ministerien zielstrebig ausgebaut wird, spiegelt auch die Einsicht der österreichischen Bundesregierung wider, dass österreichische ForscherInnen in den genannten Ländern von offizieller österreichischer Seite konsequenter und umfassender unterstützt werden sollen als das in der Vergangenheit der Fall war.
Dieses Engagement ist allerdings nur dann zielführend, wenn klar ist, welche Probleme es gibt und wo globale Lösungen notwendig sind. Ich möchte Sie in diesem Sinne daher einladen, Ihre Erfahrungen auch weiterhin mit uns zu teilen und uns wissen zu lassen, welche weiteren Dienstleistungen sie als wünschenswert empfinden. Zwei Beispiele:
Viele ForscherInnen sehen sich – insbesondere, wenn sie mit einem österreichischen Stipendium hier sind - mit komplizierten Fragen der Doppelbesteuerung konfrontiert. In der Auseinandersetzung mit Einzelfällen stellt sich heraus, dass die entsprechenden bilateralen Verträge – vor allem im Vergleich zu anderen europäischen Ländern - mangelhaft sind, wodurch es für so manchen zu einer unfairen steuerlichen Zusatzbelastung kommt. Die Einzelperson hat nur beschränkt die Möglichkeit, an dieser Situation etwas zu ändern, und die zuständigen Behörden in Österreich wissen oft nicht, dass es Probleme gibt bzw. sind der irrigen Meinung, dass es sich um statistisch vernachlässigbare Einzelfälle handelt.

Ähnlich verhält es sich mit der Frage der Beibehaltung der österreichischen Staatsbürgerschaft im Falle der Annahme der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft. Gerade diejenigen, die eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere in den USA aufbauen, gelangen leicht an den Punkt, wo sie sich aus Karrieregründen ernsthaft der Frage stellen müssen, ob man nicht gut daran täte um die amerikanische Staatsbürgerschaft anzusuchen. Dies ist ein weder emotional noch rational leichter Entschluss - ist er doch in der überwiegenden Zahl der Fälle mit der zwingenden Aufgabe der österreichischen Staatsbürgerschaft verbunden. Das Antragsverfahren, um in solchen Fällen weiterhin auch die österreichische Staatsbürgerschaft behalten zu können, ist nicht nur kompliziert, sondern im Hinblick auf das Ergebnis unberechenbar, da es keinen Rechtsanspruch auf die Beibehaltung gibt. Sollte sich zeigen, dass dieses Dilemma nicht nur einige wenige betrifft, sondern für eine größeren Kreis ein Thema darstellt, ist der Schluß naheliegend, dass nach einer besseren Lösung dieses Problems gesucht werden muss. WissenschafterInnen, die in den USA erfolgreich sind und gleichzeitig den Kontakt mit KollegInnen in Österreich pflegen, sind nicht nur ein erstklassiges Aushängeschild österreichischer Exzellenz, sondern auch eine wertvolle Ressource für die österreichische Forschungslandschaft. Ihre Verdienste um unser Land sind wohl nicht minder einzuschätzen als etwa die - in Staatsbürgerschaftsanträgen meist a priori als gegeben angenommenen - Verdienste österreichischer SportlerInnen.

Das OST hat – neben seinen anderen Aufgaben der Politikberatung und der Unterstützung bei der Anbahnung bilateraler Forschungskooperationen – eine sehr klare Aufgabenstellung im Hinblick auf die österreichischen ForscherInnen in Nordamerika: die Entwicklung und Betreuung eines Netzwerkes österreichischer ForscherInnen in den USA und Kanada, um in der Lage zu sein, diesen Personenkreis mit Information über das, was sich in Sachen Wissenschaft, Forschung und Technologie in Österreich tut zu versorgen; die Beratung und Unterstützung einzelner ForscherInnen bei spezifischen Anliegen idealerweise durch die Schaffung allgemein anwendbarer Lösungen; und eine stärkere Vernetzung dieses Personenkreises mit ProtagonistInnen der österreichischen Wirtschaft, Forschung und Politik durch gemeinsame Veranstaltungen.

Da es nicht nur denkbar, sondern sehr wahrscheinlich ist, dass es Gruppeninteressen der österreichischen ForscherInnen in Nordamerika gibt, die wegen möglicher Interessenkonflikte nicht vom OST gegenüber der österreichischen Bundesregierung vertreten werden können und sollen, gibt es den unabhängigen Verein “ASCINA”, dessen Anliegen es ist, die ForscherInnen nicht nur zu vernetzen, sondern tatsächlich zu organisieren. Dies kann verständlicherweise keine Aufgabe sein, die vom OST wahrgenommen wird, dennoch kann und soll das OST diesen Prozess unterstützen. Paradoxerweise liegt die Unterstützung nach der ursprünglichen Initiierung durch das OST nunmehr gerade in der Förderung der Unabhängigkeit des Vereins, da dies für potentielle Mitglieder eine wichtige Voraussetzung ist, um beizutreten.

Das ist auch der Grund dafür, dass wir uns entschlossen haben, dem Newsletter ein neues Kleid zu verpassen und ihn nicht mehr als “OST News for ASCINA” zu bezeichnen – denn letztlich sind die News von und für ASCINA die Sache von ASCINA und sollten frei von der Ingerenz des OST sein.

Ich habe weiter oben erwähnt, dass österreichische ForscherInnen eine wertvolle Ressource für Österreich darstellen und möchte dies anhand eines rezenten Beispiels verdeutlichen. Ich war im November für einige Tage in Innsbruck, um auf Einladung der Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH (TILAK) mit Vertretern der Landesregierung, der Industriellenvereinigung, der Wirtschaftskammer und mit Professoren der medizinischen Fakultät, mit ForscherInnen der Innsbrucker Universitätsklinik, Managern der diversen Kompetenz- und Technologiezentren und Vertretern der Tiroler Zukunfsstiftung Gespräche zu führen. Das Land Tirol hat in den vergangenen Monaten massive Anstrengungen unternommen, um Tirol verstärkt als Forschungs- und Technologiestandort zu entwickeln. In diesem Zusammenhang ist der Blick in Richtung USA naheliegend und spiegelt ein grundsätzliches Bedürfnis nach stärkerer Internationalisierung wider. Bei solchen Aktivitäten soll den ForscherInnen, die bereits USA-Erfahrung haben bzw. in den USA integriert sind, eine zentrale Rolle zukommen, da sie für die Rolle der Mittler und Vermittler prädestiniert sind und daher für die interessierten Personen und Institutionen einen besonders wertvollen Erfahrungsschatz anbieten können. Ich informierte darüber all jene ForscherInnen, die in der Vergangenheit in den an uns übermittelten Fragebögen angegeben hatten, dass sie in der Medizin, der Biologie (im weitesten Sinn) bzw. Biochemie tätig sind und bat sie um Input für diese Gespräche. Die Reaktion war überwältigend – von den ca. 100 Personen antworteten fast siebzig mit spannenden und ausführlichen Ideen, welche ich in ein “Arbeitspapier” für den Besuch in Innsbruck integrierte und anläßlich eines gut besuchten Vortrages an der Uniklinik präsentierte (Arbeitspapier online).

Ich bin überzeugt davon, dass Österreich im Zuge der wachsenden Vernetzung der österreichischen WissenschafterInnen in Nordamerika immer stärker den Wert dieser für unser Land so wichtigen Ressource erkennen wird.

Im diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Wechsel ins Jahr 2003!
P. Steger