Inform@ionen für die
österreichische Forschung
in Nordamerika
Newsletter Dez 2002/ Jan 2003
Feature 1: König: Die Initiativen NODE - Neue Orientierungen für die Europäische Demokratie und FFORTE - Frauen in Forschung und Technologie
Feature 2: Höllinger: Die neuen medizinischen Universitäten in Österreich positionieren sich
Die Initiativen NODE - Neue Orientierungen für die Europäische Demokratie
und FFORTE - Frauen in Forschung und Technologie
von Dr. Ilse König.

Ilse König hat die Gesamtprojektleitung für >node<
und ist Leiterin der
Abteilung "Gesellschaftswissenschaften"
des Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur/ Wien bm:bwk

NODE - Neue Orientierungen für die Europäische Demokratie

Mit der Vertiefung des europäischen Integrationsprozesses und insbesondere mit der geplanten Erweiterung der Europäischen Union stellen sich für Europa neue demokratiepolitische Herausforderungen. Konzepte zur Behebung der bestehenden Demokratiedefizite und zur Mit- und Neugestaltung der europäischen Demokratie sind gefragt.

Das Forschungsprogramm >node< (New Orientations for Democracy in Europe) der Abteilung Gesellschaftswissenschaften im österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur lädt WissenschafterInnen ein, Demokratie neu zu denken, politische Entwicklungen, Prozesse und Steuerungsmechanismen zu analysieren und Alternativen zu erarbeiten. >node< fördert fächerübergreifende Forschungskooperationen auf nationaler wie auch internationaler Ebene. Weiters sind die Unterstützung von wissenschaftlichem Nachwuchs und von Frauen in der Wissenschaft wichtige Anliegen des Forschungsprogramms. Ziel von >node< ist die Stimulierung von Kooperationen zwischen WissenschafterInnen und Nicht-WissenschafterInnen im Sinn partizipativer Forschung, die an Problemlösungen arbeitet und Anwendungsnutzen sowohl für die Wissenschaft als auch die Praxis gewährleistet. Die Förderung des Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft wird mit neuen Formen der Wissensorganisation und Wissenschaftskommunikation unterstützt.
Das Forschungsprogramm gliedert sich in drei Programmschwerpunkte:

  • Der erste Schwerpunkt beschäftigt sich mit der Frage, wie sich "Democratic Governance" im Europa der Zukunft gestalten wird. Wie können die Beziehungen zwischen den öffentlichen Institutionen demokratisch weiterentwickelt und die BürgerInnen in institutionelle Entscheidungsprozesse stärker miteinbezogen werden?

  • Die Frage nach einem demokratischen Umgang mit der nationalen, ethnischen, kulturellen und religiösen Vielfalt Europas steht im Mittelpunkt des zweiten Programmschwerpunktes „Differenz-Ungleichheit“. Wie können unterschiedliche Gruppen und Individuen politisch, gesellschaftlich und sozial besser integriert werden?

  • Der dritte Programmschwerpunkt „Demokratie in der wissensbasierten Arbeitsgesellschaft“ widmet sich dem Wandel der europäischen Arbeitsgesellschaft und den strukturellen Veränderungen der Erwerbsarbeit. Mit diesen Veränderungen werden auch die Möglichkeiten zu Mitgestaltung und Mitbestimmung innerhalb der unterschiedlichen Arbeitsverhältnisse in einer wissensbasierten Gesellschaft thematisiert.

Weitere Informationen und Kontakt
Website von NODE

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Abteilung Gesellschaftswissenschaften
Dr. Ilse König

PR und Pressekontakt:
Büro PlanSinn
Mag.a Sonja Gruber,
Dr. Mathilde Urban
Im Rahmen der ersten Ausschreibung haben universitäre und außeruniversitäre Forschungsinstitute und Forschungsteams insgesamt 119 Projektskizzen eingereicht. Aus diesen wurden durch einen wissenschaftlichen Beirat 33 Projektideen ausgewählt und die Teams zur Erstellung ausführlicher Exposés bis 31. Jänner 2003 eingeladen. Danach werden in einem internationalen Begutachtungsverfahren die endgültigen Projekte ausgewählt, die Projektvergabe erfolgt im April 2003.

FFORTE (Frauen in Forschung und Technologie)

FFORTE ist eine gemeinsame Initiative des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur und des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie zur Stärkung von Frauen in Forschung und Technologie. Dies ist ein Berufssegment, in dem Frauen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind, sowohl quantitativ als auch was Karriereverläufe und Entlohnung betrifft. Die Initiative wurde im Februar 2002 vom österreichischen Rat für Forschung und Technologieentwicklung zur Finanzierung empfohlen. FFORTE reagiert damit auf diverse Empfehlungen, Mitteilungen und Entschließungen der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments sowie auf das ausdrückliche Bekenntnis der österreichischen Bundesregierung zu einer stärkeren Berücksichtigung von Chancengleichheit und Gleichstellung in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen.

Das Gesamtkonzept enthält Maßnahmen zur Frauenförderung während aller Phasen des Bildungsweges bis hin zum Abbau von Karrierehindernissen während der beruflichen Laufbahn (Stichwort: "gläserne Decke"). Die Zusammenarbeit mehrerer Abteilungen des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Bildung, Universitäten, Forschung) und des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie ist die notwendige Voraussetzung für die Erreichung dieses Ziels. Im Detail zielt das Gesamtkonzept auf die Verbesserung des Zugangs zur Ausbildung (Schülerinnen und Studentinnen), die Stärkung des Berufszugangs von Frauen in Naturwissenschaft und Technik und auf die Verbesserung der bestehenden Förderstrukturen. Es enthält Trainings- und Sensibilisierungsmaßnahmen und stimuliert prozessbegleitende Forschung zur Verstärkung einer nachhaltigen Gleichstellungspolitik, sowie die sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung im Bereich Gender und Technologie.
Es sieht konkrete Umsetzungsmaßnahmen (z. B.: die Gründung von Forschungsstellen an technischen Hochschulen, einer Sommerakademie für Informatikerinnen, Coaching für internationale Projekteinreichungen) vor und adressiert neben universitären und außeruniversitären Einrichtungen auch den Unternehmenssektor.

Die Abteilung VI/3 des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur wurde damit beauftragt ein fächerübergreifendes Forschungsprogramm "Gender IT!" durchzuführen. Dieses Forschungsprogramm zur Förderung von geschlechterspezifischen und fächerübergreifenden Forschung zum Thema "Frauen und Technologieentwicklung" operiert an der Schnittstelle sozial-kulturwissenschaftlicher und naturwissenschaftlich-technischer Fragestellungen, indem es sich für die soziokulturellen Rahmenbedingungen von Technologieentwicklung interessiert. Gemeinsam mit ForscherInnen aus der Wissenschafts- und Technikforschung und Technikerinnen/ Entwicklerinnen werden im Anschluss an zwei Workshops einige Pilotprojekte erarbeitet werden, die theoretische und Anwendungsaspekte der Informationstechnologien beforschen. Denkbar wäre beispielsweise gendersensible Applikationen für den Bildungsbereich oder für elektronisches Publizieren zu entwickeln. Andere Forschungsbereiche sind eher sozialwissenschaftlich ausgelegt und betreffen wissenschafts- und technikgeschichtliche Aspekte der Verfestigung traditioneller Geschlechterrollen oder ungleicher Zugangsbedingungen zu Technologien.
Im Rahmen des Forschungsprogramms werden außerdem fächerübergreifende Fellowships zur Weiterqualifizierung von NachwuchswissenschafterInnen eingerichtet werden. Diese dienen der Vernetzung österreichischer Forschung auf nationaler und internationaler Ebene, sollen aber auch zusätzliche Expertise in das Forschungsprogramm einbringen. Die Fellowhips werden sich an NachwuchswissenschafterInnen im Dissertations- bzw. Postdoc-Stadium richten.
Außerdem wird die Abteilung ein Coaching zur Förderung der Beteiligung von Frauen an naturwissenschaftlich-technischen Programmlinien des 6. EU-Rahmenprogramms organisieren.

Am 29. Oktober 2002 wurde eine erste Informationsveranstaltung zu "Gender IT!" durchgeführt, die auf lebhaftes Interesse seitens der Scientific Community stieß. Es wurde eine Workspace/ Projektplattform eingerichtet, die der horizontalen Vernetzung und dem Informationsaustausch dienen soll.
Am 16./17. Januar 2003 ist ein Methodenworkshop zum Thema Interdisziplinarität, Gender und Technologie geplant. Im Anschluss daran gibt es ein zweistufige Ausschreibungsverfahren (Erste Phase: Anfertigung von Projektskizzen, anschließend Einladung zur Ausarbeitung von Forschungsprojekten).

Information und Kontakt:
Dr. Ilse König
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Abteilung Gesellschaftswissenschaften
Für eine Zugriffsmöglichkeit auf die Projektplattform wenden Sie sich bitte an Mag. Karin Harrasser

I.König



Die neuen medizinischen Universitäten in Österreich
positionieren sich
Dr. Sigurd Höllinger
Sigurd Höllinger ist Leiter der Sektion Sektion VII
"Universitäten und Fachhochschulen"
des
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur/ Wien bm:bwk

Das österreichische Universitätsgesetz 2002 sieht neue Bedingungen für die Entwicklung der Universitätsmedizin vor: Selbständige Medizinische Universitäten. Die Reformziele sind Sicherung und Ausweitung der Spitzenforschung, der Spitzenmedizin und international attraktive Studien. Die drei – mit einander verbundenen – Leistungsbereiche sollen abgesichert gleich wichtig sein. Die wesentlichste Voraussetzung ist: die Fakultät wird eigenständige Universität, erhält volle Rechtsfähigkeit und ist so der geschäftsfähige Partner der Betreiber und Träger der Krankenanstalten; dies sind die Bundesländer Steiermark, Tirol und Wien. Die neuen Medizinischen Universitäten schließen selbständig Zusammenarbeitsverträge mit den Krankenanstaltenträgern oder mit den Gesellschaften, die - im Eigentum der Bundesländer - die Kliniken betreiben. Die Medizinischen Universitäten können auch, was sehr zweckmäßig ist und vorbereitet wird, Gesellschafter einer Betriebsführungsgesellschaft für die Kliniken, gemeinsam mit den Spitalsträgern, vielleicht auch mit dem Bund, werden. Eine geregelte, auf Gleichberechtigung basierende Zusammenarbeit in den Organen einer Klinik-Betriebsgesellschaft erlaubt die strategischen Linien, die für die Universitätsforschung und Lehre und für den Krankenhausbetrieb bedeutsam sind, gemeinsam festzulegen und die Entscheidungen über die täglich wichtigen Fragen der Betriebsführung der Kliniken, wie z.B. über Dienstpläne und Ressourceneinsatz, zu treffen.

Die zur rechtlich selbständigen Medizinischen Universität weiter entwickelte Fakultät ist als Vertreter der Medizin der effizientere Geschäftspartner des Krankenanstaltenträgers als die Gesamtuniversität mit allen Fakultäten, deren Aufgaben Forschung und Lehre sind, nicht aber die Führung eines großen Praxisbereichs, die Kliniken.

Die Verselbständigung der Medizinischen Fakultäten, die alt und traditionsreich sind wie ihre Herkunftsuniversitäten, zu eigenständigen Universitäten stößt auf das herkömmliche und emotionell besetzte Universitätsbewusstsein. Dieses ist zwar zu respektieren, ist aber als weniger bedeutend zu beurteilen als die durch die Selbständigkeit erreichbare Steigerung der Leistungsfähigkeit.

Der so genannte „Klinische Mehraufwand“, das ist die Zahlung des Bundes an die Spitalsträger, die Bundesländer, mit der die durch Forschung und Lehre verursachten Mehrkosten der Kliniken im Vergleich zu anderen hochrangigen Spitälern abgedeckt werden, wird künftig an die Medizinische Universität gezahlt. Es ist dies eine Summe, die etwa 200 Millionen Euro im Jahr ausmacht. Die neuen Universitäten geben den Betrag – sachgerecht gewidmet und aufgegliedert – an die Spitalsträger weiter; dies geschieht anstelle der heutigen Pauschalzahlung des Bundes an die Bundesländer. Ein zeitgemäßes und universitätsgemäßes Rechnungswesen wird implementiert.

Die Universitätsmedizin hat vielfältige essentielle Arbeitsbeziehungen, vor allem in der Forschung mit Disziplinen an anderen Fakultäten und Universitäten, national und international, überwiegend mit Naturwissenschaften und Technik. Diese weiter zu pflegen und zu intensivieren, ist Teil der Weiterentwicklung der selbständigen universitären Medizin.

Die Medizinischen Fakultäten haben bereits neue Curricula für Humanmedizin und Zahnmedizin entwickelt, die stärker als die alten praxis- und problemorientiert sind, mehr Fächerintegration gewährleisten und so die Qualität der Ärzteausbildung verbessern. Auch Doktoratsstudien auf PhD-Niveau, die auf einem abgeschlossenen Medizinstudium oder naturwissenschaftlichen Studium aufbauen, wurden konzipiert. Diese erhöhen die internationale Konkurrenzfähigkeit des Forschernachwuchses.

Gesetzlich bestehen die Medizinischen Universitäten seit 1. Oktober 2002.
Die Implementierungszeit endet am 31. Dezember 2003.

Den Gesetzestext (deutsch und englisch) finden Sie unter http://www.bmbwk.gv.at, Fragen und Antworten zum Universitätsgesetz 2002 (deutsch) http://www.unigesetz.at.

S. Höllinger
weitere Ressourcen:
Internet-Datenbank des Bildungsministeriums zum neuen Universitätsgesetz (UG) 2002
Medizinische Fakultät Website: Medizinische Fakultät Uni Wien
Bericht des ORF Science Channel zu den Wahlen des Gründungskonvents
Bericht ORF Science "Neue” Wiener Medizinuniversität erlässt Richtlinien für Forschung "Good scientific practice".